Europäisches Karriereprofil: Welche Kontrolle über berufliche Daten wirklich zählt
EU-Hosting allein schafft noch keine Datenhoheit. Entscheidend sind Zweckbindung, Freigaben, Portabilität und ein ehrliches Geschäftsmodell.

Nicht „europäisch“ mit „unter deiner Kontrolle“ verwechseln
Ein Dienst kann in Europa betrieben werden und trotzdem möglichst viele Daten sammeln, Nutzerverhalten messen oder Profile in ein kommerzielles Sichtbarkeitsmodell zwingen. Umgekehrt bleibt auch ein zurückhaltender Dienst eine externe Infrastruktur, der man berufliche Daten anvertraut.
Die sinnvolle Prüfung beginnt deshalb beim Zweck und bei den Grenzen.
Fünf Fragen an ein Karriereprofil
1. Wofür werden die Daten verwendet?
Berufliche Fakten sollten das Profil, die PDF und den Export erzeugen. Sie sollten nicht stillschweigend zur Zielgruppenbildung, Werbung oder zum Verkauf an Dritte dienen.
2. Wer entscheidet über Öffentlichkeit?
Ein initialer Agenten-Sync ist keine Veröffentlichungserlaubnis. Ein neuer person.work Record bleibt privat, bis der Eigentümer ihn bewusst freigibt.
3. Was darf der Agent?
OAuth authentifiziert nicht einfach „eine KI“, sondern autorisiert einen Client für klar begrenzte Aktionen am eigenen Account. Der Agent darf lesen und Änderungen vorschlagen. Er darf keine fremden Profile ändern, seine Vorschläge nicht selbst bestätigen und einen privaten Record nicht veröffentlichen.
4. Kann ich die Daten mitnehmen?
Ein offener, maschinenlesbarer Export ist mehr als eine Archivdatei. Rollen, Projekte, Zeiträume, optionale Belege und berufsspezifische Erweiterungen müssen so strukturiert bleiben, dass ein anderes Werkzeug sie verstehen kann.
5. Welche Anreize hat der Betreiber?
person.work ist in der aktuellen Phase ein nicht-kommerzielles Goodwill-Projekt. Es gibt keine Tarife, Upgrades, Werbung oder bezahlte Reichweite. Profildaten werden nicht verkauft. Operational notwendige Grenzen sind keine versteckten Produktstufen.
Datensparsamkeit bei öffentlichen Profilen
Ein öffentliches CV ist per Definition sichtbar. Trotzdem gehört nicht jede Information hinein. Private Kontaktdaten, vertrauliche Projektdetails und interne Dokumente dürfen nicht allein deshalb öffentlich werden, weil ein Agent sie im Quellmaterial gefunden hat.
Sinnvoll ist eine Trennung zwischen dem privaten Record, den autorisierte Werkzeuge verarbeiten dürfen, und der bewusst freigegebenen öffentlichen Ansicht. Auch Bestätigungen sollten nur die Angaben zeigen, die für ihre Einordnung erforderlich sind.
Die ehrliche Position von person.work
person.work ist keine „europäische LinkedIn-Kopie“. Es ersetzt weder Netzwerk noch Akquise. Es bietet eine engere Infrastrukturaufgabe: einen bestehenden CV mit dem eigenen Agenten als bestätigten, portablen Career Record pflegen und daraus mehrere Ausgaben erzeugen.
Diese Begrenzung reduziert Datenhunger und Produktdruck. Sie ist zugleich überprüfbar: Wenn später Feed, Ranking, Verkauf oder Bezahlschranken auftauchten, wäre das ein Bruch mit der heutigen Projektphilosophie – kein neutrales Feature.


